Wartha


Ein Wallfahrtsort im Kreis Frankenstein

„Wartha, die Pforte zur Grafschaft Glatz, erschließt liebliche deutsche Landschaft“ so steht es auf einem Prospeckt der für Tourismus wirbt und vom Verkehrsamt Wartha im Jahr 1936 herausgegeben wurde. Wartha liegt etwa 17 km südwestlich von Frankenstein malerisch zwischen dem Eulengebirge und dem Reichensteiner Gebirge an der Glatzer Neisse, die hier das Gebirge durchbricht. Die alte Straße, die hier von Prag über Glatz kommend, den Pass von Wartha überquert, weiter über Nimptsch nach Breslau führt und weiter nach Gnesen, wurde im Mai 1124 auch von Bischof Otto von Bamberg benutzt als er auf dem Weg zur Christianisierung der Pommern durch Schlesien zog. Die Straße war durch feste Burgen gesichert. Die Burg von Wartha spielte eine besondere Rolle, da sie den Pass von Wartha und den Durchbruch des Flusses Neisse durch das Gebirge nach der schlesischen Seite hin sicherte. Ihre genaue Lage ist nicht eindeutig geklärt. Ursprünglich wurden am Hang des Kapellenberges gefundene Überreste einer Burganlage, Gräben, Wälle und Mauerwerk, der alten slawischen Burg zugerechnet. Diese hat man zuletzt für eine frühdeutsche, mittelalterliche Ritterburg gehalten nachdem in Wartha selbst, im Garten des kath.Waisenhauses am hohen Ufer der Neisse ein Halbkreiswall entdeckt worden war, welcher der alten Burg angehört haben könnte. Anno 1096 als Brido genannt, 1155 Barda, 1189 Bardon, 1203 Bardo, 1290 Warda, 1301 Wartha.


1096 wird Wartha erstmals erwähnt. Cosmas von Prag schreibt in seiner „Chronica Boemorum“(III,4), daß in jenem Jahr Herzog Bretislav II. von Böhmen die Burg Wartha (Brdo) am Ufer der Neisse bei einem Zug gegen Polen zerstört habe. Die Burg bestand also als polnische Grenzbefestigung schon früher. Sie ist aber aus sprachlichen Gründen wohl bereits böhmischen Ursprungs (Tschechisch: Brdo =Hügel,Berg). Der Böhmenherzog Bretislav II. hat zur Sicherung seines Landes dann weiter abwärts an der Neisse die Burg Kamenz erbaut.
1124 Die Böhmen müssen aber auch die Burg in Wartha wieder aufgebaut haben, denn sie wird anläßlich der Missionsreise des Bamberger Bischofs Otto nach Pommern als böhmische Grenzfeste „Burdan“ und als Durchgangsort genannt, von Herbord, dem Verfasser der Vita Ottos.
1128 war das im 11. und 12. Jh. zwischen Böhmen und Polen umstrittene Wartha noch in böhmischem Besitz.
1137 Durch den Glatzer Pfingstfrieden von 1137, der die Streitigkeiten um Schlesien zwischen Böhmen und Polen beilegte, muß Wartha wieder an Polen gekommen sein.
1155 In einer päpstlichen Urkunde vom 23.4.1155 wird die Burg Wartha (Gradice Barda) als zum Bistum Breslau und damit zu Polen gehörig genannt. Da war Wartha bereits Sitz eines polnischen Kastellans.
1157 stellte Kaiser Friedrich Barbarossa die Lehnsabhängigkeit Polens vom Deutschen Reich wieder her. Wartha blieb späterhin im Verband der schlesischen (piastischen) Herzogtümer, Herzogtum Breslau, etwa 1321-1569 Hzt.Münsterberg-Frankenstein, danach mit diesem habsburgisch. Die Grundherrschaft teilten sich bis 1810 das Kloster Kamenz, zu einem kleineren Teile, und die Stadt Frankenstein.
1189 schenkte Bischof Siroslaus von Breslau die Kirche von Wartha samt dem gleichnamigen Dorf den Johannitern in Groß Tinz.
1203 wird die Schenkung vom Breslauer Bischof Cyprian und von Papst Innozenz II. bestätigt, wobei in der päpstlichen Urkunde vom Warthaer Gotteshaus als St.Marien-Kirche gesprochen wird.
1210 mit Urkunde vom 1.November übergab Bischof Laurentius die Kirche in Wartha, hier als Kapelle bezeichnet, mit den zugehörigen Zehnten von Prilanc, Banau, Schlause und Grochau dem neu gegründeten Augustinerchorherren-Kloster Kamenz.
1247 wurde Kloster Kamenz jedoch samt seinem Besitz, also auch Wartha, von Zistersiensern aus Leubus übernommen.
1299 von dem Jahr ist das Marienpatrozinium für die Kapelle in Wartha bezeugt. Das noch heute dort verehrte Gnadenbild, eine 42 cm hohe romanische Sitzmadonna mit Kind aus Lindenholz entstand bereits Anfang des 13.Jh. und ist die älteste schlesische Holzskulptur. Stilistisch wird die Figur mit rheinischer Zisterzienserkunst in Verbindung gebracht.
1301 wird in einer Urkunde die Absicht der Errichtung von sechs Verkaufsbuden für Bäcker, Fleischer und Schuhmacher angezeigt. Die Entwicklung Warthas zu einem Marktflecken zeigt sich an.
1310 hatte man begonnen, die Kapelle aus Stein zu errichten. Die Erlangung zahlreicher „Ablässe“ besonders für pfarrfremde Besucher der Kapelle Mariä Heimsuchung sollten den Bau mitfinanzieren.
1315 wurde eine Kirche aus Stein erbaut. 1325 wurde Wartha unter den Zistersiensern selbständige Pfarre.
1334 wurde Wartha als Stadt, als „oppidum“, erwähnt. Wartha wurde zu einer Propstei erhoben, vor 1376 wieder selbständige Pfarrei.
1411 Um 1411 wurde neben dem steinernen „böhmischen“ Kirchlein eine neue, größere Kirche Mariä Himmelfahrt für die deutschsprachigen Pfarrkinder und Besucher nötig.
1425 am 3.Dezember suchten die Hussiten den Ort fürchterlich heim. Sie verwüsteten Wartha und Umgebung und verbrannten die beiden Kirchen samt ihren Geistlichen. Das Kloster Kamenz ließ die beiden Kirchen wieder errichten. Der Ort erholte sich langsam. Die Zisterzienser betreuten die Marienwallfahrt, die in der Mitte des 15.Jh. erwähnt wird.
1455 In einer Urkunde vom 29.4.1455 wird zum ersten Mal von einer „kirchfahrt czu der Warthe“ gesprochen. Aus dem 15.Jh. stammte die schöne, steinerne Brücke über die Neisse. Die Stadt Frankenstein erhob den „Brückenzoll“.
1471 kam am 7.Februar die böhmische Besatzung von Glatz um Wartha zu brandschatzen. Dabei brannten wieder beide Kirchen nieder und erneut wurden sie danach wieder hergestellt.
1525 Die Böhmische Kirche wurde durch einen Brand zerstört.
1577 ist belegt, daß die Marien-Statue aus der „böhmischen“ Kirche nach Kamenz in Sicherheit gebracht wurde.
1598 am 24.August kam es nach mehrtägigen, heftigen Regenfällen und Hochwasser zu einem mächtigen „Bergsturz“ an dem Berghang über der Neisse. Die steilen, kahlen Steinwände stechen noch heute ins Auge.
1606 kam die Marien-Statue wieder nach Wartha zurück. Das Kloster Kamenz konnte sich wieder mehr für die Seelsorge einsetzen. Die in der Reformation suspekt gewordene „Ablaßkirchfahrt“ wurde in eine Marien-Wallfahrt umgewandelt. An der Neisse-Brücke wurde ein Hospital errichtet.
1655 erschien in Prag in lateinischer Sprache das Buch „Diva Wartensis“ des Jesuitenpaters Balbin.
1617-1619 wurde auf dem 583 Meter hohen Warthaberg über dem anderen Ufer der Neisse eine kleine Marienkapelle errichtet. Man baute sie über der Stelle wo die Madonna eine schlimme Zukunft voraussagend aber dazu Trost spendend einigen frommen Personen aus dem Dörfchen Haag erschienen sein soll. Die Kapelle wurde am 7.9.1619 von Weihbischof Martin Kolsdorf aus Breslau eingeweiht. Bald nach dem Bau wurde eine Tafel mit lateinischer Inschrift in der Bergkapelle angebracht, die von der Erscheinung berichtet.
1622 litt Wartha durch den 30-jährigen Krieg besonders unter der durchziehenden Soldateska.
1664 Die starke Zunahme der Marienwallfahrt machte 1664 einen größeren Neubau der „deutschen“ Kirche nötig.
1666 am 9.Mai erfolgte die Weihe. Nur 20 Jahre später war auch diese Kirche zu klein. Der Kamenzer Abt Augustin Neudeck, ehemals Propst in Wartha, veranlaßte 1686 den Bau der heutigen Kirche an der Stelle der beiden kleinen Gotteshäuser.
1686-1704 wurde die heutige große Wallfahrtskirche, eine Saalkirche, mit der zweitürmigen Front, welche die kleine Stadt überragt, erbaut. Ihr Architekt war der bischöfliche Hofbaumeister Michael Klein aus Neisse. Er stammte aus Güns bei Ödenburg in Ungarn und war in der Stadt Neisse ansässig. Den Hochaltar schuf Bildhauer Jörg. Der wertvollste Schmuck des Hochaltares ist das von Michael Willmann geschaffene Gemälde Mariä Heimsuchung. Es wurde am 30.4.1705 aufgestellt. Unter dem Bild steht in einer Altar-Nische die Madonnen-Statue, das Gnadenbild von Wartha. Die Kanzel stellt einen Berg dar, auf dem Jesus lehrend sitzt, umgeben von den vier Evangelisten mit ihren Sinnbildern. Am Rand des Schalldeckels befinden sich die vier großen Kirchenväter Augustinus, Hieronymus, Chrystomus und Gregor der Große, über ihnen eine Gruppe Engel, darüber Gott, der mit seiner Linken die Weltkugel hält und mit seiner Rechten ein Zepter ergreift, das ihm ein Engel reicht.
1711 wurde Wartha durch einen großen Brand vernichtet, aber die herrliche Barockkirche blieb bis heute unversehrt. Bemerkenswert ist die 1759 fertiggestellte Orgel des Breslauer Meisters Franz Eberhard mit dem Rokokoprospekt des Warthaer Holzbildhauers Heinrich Hartmann. Nach einem noch erhaltenen Vertrag sollte Meister Eberhard 3.000 Reichstaler Honorar für die Orgel erhalten. Die Orgel war 1759 eine Stiftung des Preußenkönigs Friedrich d.Großen.
1790 wurde die Chaussee von Frankenstein nach Glatz über Wartha ausgebaut.
1807 am 8. Februar eroberten auf Seiten Napoleons stehende Rheinbundtruppen den Paß.
1810 Durch die Säkularisierung in Preußen werden das Kloster Kamenz und die Propstei in Wartha enteignet und geschlossen. Wartha wurde mit seiner Vorstadt Haag königliche Stadt.
1843 lebten in Wartha 1.030 Einwohner, davon 1.000 katholischen Bekenntnisses, in 120 Gebäuden. Das Städtchen hatte eine Post- und eine Zollstelle, eine Apotheke, Schule und zwei öffentliche Gebäude.
1873 bekam Wartha Eisenbahnanschluß Breslau-Kamenz-Glatz. Im Jahr 1900 gründeten die Redemptoristen in Wartha in dem großen Klosterkomplex an der Kirche eine Niederlassung. Die Zahl der jährlichen Wallfahrer lag um 170 000, denn nicht nur die Bewohner des Kamenzer Stiftslandes und Kreises Frankenstein pilgerten zum Gnadenbild der Madonna nach Wartha sondern Menschen aus ganz Schlesien und Böhmen. Die Wallfahrt wird seit dem Jahr 1900 von den Redemptoristen in dem an die Kirche angrenzenden großen Kloster betreut. Im Kloster können in einem Saal die Votiv-Tafeln besichtigt werden, welche aus Dank für die Hilfe der Madonna von frommen Pilgern gestiftet wurden. Ein steiler Weg der von Kreuzweg-Stationen begleitet ist, führt durch herrlichen Wald den Kalvarienberg hinauf zu der 1617-1619 errichteten kleinen Marien-Kapelle auf dem Gipfel des Wartha-Berges (583 m). Um diese Kapelle rankt sich die fromme Legende über eine dortige Erscheinung der Gottesmutter Maria. Unter einem Gitter befindet sich vor der Kapelle im Felsgestein der „Fußabdruck“ der Madonna. Die Pilger stiegen singend und den „Kreuzweg“ betend zum Gottesdienst hinauf. Von dem Berg bietet sich ein wunderschöner Blick auf Stadt und Fluß im Tal. begann man auf dem gegenüber liegenden 380 m hohen Kahlersberg ein Ensemble von 12 Kapellen zu errichten, die jeweils ein Geheimnis des „Rosenkranzes“ darstellen.
1914 wurde das Königin-Luise-Heim als Erholungsstätte für Soldaten eingeweiht.
1916 wurde in Wartha das Ursulinen-Kloster St.Angela eingerichtet. Es fungierte als Haushaltungsschule, dann als Landfrauenschule mit Seminar.
1933 zur Zeit des Nationalsozialismus wurde die Wallfahrt nach Wartha unter Beteiligung des Breslauer Erzbischofs Adolf Kardinal Bertram zur Demonstration katholischen Selbstbehauptungswillens.
1935-1938 entstand auf einem Hügel oberhalb der Stadt das mächtige Gebäude des Noviziats der Breslauer Marienschwestern. Es diente während des Krieges erst als Umsiedlerlager, dann als „Adolf-Hitler-Schule“. Heute beherbergt es ein polnisches Kinderheim.

Wartha hatte im Jahr 1787 602 Einwohner, 1825 waren es 905 und 1905 waren es 1312. Die Stadt Wartha hatte 1939 auf 6,05 qkm 1.736 Einwohner, es waren rein deutsch. Der Zuwachs an Einwohnern ging auch auf die Errichtung der Zellulosefabrik in Frankenberg zurück. In Wartha genossen die Bäcker und Pfefferküchler einen besonderen Ruf, ihre „Warthaer Pussala“ waren sehr beliebt. In der Apotheke der Familie Steuber an der Kirche gab es den „Jerusalemer Balsam“, einen Kräuterbitter. Man lebte von der Wallfahrt, der Holzwirtschaft und dem Tourismus recht gut in Wartha. Es gab Hotels, wie das Hotel „Klieeisen“, Gasthöfe, hübsche Pensionen so wie zahlreiche weitere Übernachtungsmöglichkeiten in Wartha. 1940 war die rein deutsche Einwohnerzahl von Wartha auf 1.902 Personen gestiegen. Die Einwohnerschaft hatte mehr als 120 Kriegsgefallene zu beklagen. 1945 wurde Anfang Mai, am Tag vor Kriegsende, die schöne alte Steinbrücke über die Neisse mit dem steinernen Kreuz und der Figur des hl.Johannes von Nepomuk von der deutschen Wehrmacht gesprengt. Die Brücke wurde später ohne Figurenschmuck von den Polen wieder errichtet. 1946 am 7.und 8.April wurden auch die Bewohner von Wartha, weil sie Deutsche waren, von den polnischen Eindringlingen aus ihrer schönen Heimat vertrieben. Ihr Transport ging in die britische Besatzungszone. Viele kamen nach Maria Veen in Westfalen, einen Ort mit dem die vertriebenen Warthaer noch heute durch eine Wallfahrt verbunden sind. In der Kirche von Maria Veen befindet sich eine holzgeschnitzte Kopie der Gottesmutter von Wartha.

Was die Legende über die Wartha-Wallfahrt erzält.
Die Camenzer Zisterzienser Propst Stephan von Wartha (1523), Martin Rudolph von Maifritzdorf (1610) und Robert Kleinwächter, zuletzt Kaplan am Gnadenort (1711), so wie der Jesuit Boguslaw Balbin in Prag (1655) haben uns den frommen Volksglauben über den Ursprung der Wallfahrt nach Wartha überliefert: Da wo jetzt die Wallfahrtskirche steht, betete gegen die Mitte des 13.Jh. sehr oft ein Jüngling aus dienendem Stand mit rührender Andacht zur Gottesmutter. Als er wieder einmal in schwerer Bedrängnis seine Zuflucht zur allerseligsten Jungfrau nahm, erschien ihm die Himmelskönigin von strahlendem Glanz umflossen. In ihren Händen trug sie eine kleine Statue, die sie mit ihrem göttlichen Kind darstellt. Mit freundlichen Worten übergab sie dem Jüngling das Bild und sagte ihm, daß sie sich diesen Ort gewählt habe, um hier besonders verehrt zu werden. Hocherfreut trug der junge Mann das Bild zunächst in die Burgkapelle von Wartha und stellte es dort auf. Alsbald sorgte er dafür, daß in dieser Kapelle ein eigener Altar für die Statue der Mutter Gottes gebaut wurde. Mit besonderem Vertrauen betete er immer wieder daselbst und fand in verschiedenen Anliegen Erhörung. Sein Beispiel ermunterte andere, dasselbe zu tun. Auch diese sahen sich erhört. So wuchs die Kenntnis von den auffallenden Ereignissen und besonderen Hilfeleistungen der Gottesmutter in weiteren Kreisen. Auch Böhmen erhielten Kunde von den merkwürdigen Gebetserhörungen in Wartha. Als da zufällig ein böhmischer Edelmann einen Fuß brach, gelobte er sofort eine Wallfahrt dorthin. Wirklich wurde er wider alles Erwarten schnell geheilt. Deshalb erbaute er zur Ehre der allerseligsten Jungfrau und zum Zeugnis des geschehenen Wunders für das Gnadenbild eine eigene Kapelle. Deutsche und Böhmen nahmen nun in großer Zahl ihre Zuflucht zur heiligen Jungfrau in Wartha. Es gab kein Anliegen, das man nicht vertrauensvoll hier vorgebracht hätte. Ganz auffallende Erhörungen waren der Lohn hierfür. Deshalb konnte die hölzerne Kapelle in kurzem die Menge der Wallfahrer nicht mehr fassen. Darum erbaute jener reiche Böhme der Gottesmutter ein neues Heiligtum aus Steinen. Nach dieser Legende teilen sich die Deutschen und die Böhmen in die Ehre, die Wallfahrt nach Wartha mit begründet zu haben. Gegen Ende des 13.Jahrhunderts sind eigentliche Pilgerfahrten dahin nachweisbar.