Reichenstein

Reichenstein liegt im Süden des Kreises Frankenstein in 350 m Höhe am Nordhang des Reichensteiner Gebirges. Auf den alten Prospekten der Stadt hieß es: „Reichenstein, schöne Stadt in den Bergen“ Reichenstein hatte 1939 auf 6 qkm 2609 nur deutsche Einwohner.
Schon in frühester Zeit gab es hier Goldfunde. Der Legende nach wird seit dem Jahre 933 im „Goldenen Esel“ Erz und Gold abgebaut. Es steht fest, daß es bereits 1241 eine Schmelzhütte gab, ind der neben den eigenen Erzen solche aus Goldberg verarbeitet wurden. So bemühten sich um das Gebiet von Reichenstein wegen seines erz- und besonders goldhaltigen Bodens schon früh Kirche, Adel und Landesherr. So gab es in der 2.Hälfte des 13.Jh. schnelle Besitzwechsel. 1273 verlieh Hz.Heinrich IV. von Breslau dem Kloster Kamenz Bergbaufreiheit in dessen Besitzungen und erlaubte ihm die Verleihung böhmischen (Iglauer) Rechts an die Bergleute. Dieses Privileg muß sich auf die Reichensteiner Erzfunde bezogen haben, da der Besitz des Klosters Kamenz 1260 bis in diese Gegend reichte. 1291 war Reichenstein bereits gegründet denn in einer Urkunde des Klosters Kamenz vom 8.7.1291 tritt „Heidgenricus de Richinstein“ als Zeuge auf, und daß Reichenstein gleich als Stadt entstanden war, bezeugt eine Urkunde von 1293 mit welcher in Dörndorf bei Reichenstein ein Landstück dem Vogt Hermann von „Luterbach“ verliehen wurde. Der war zweifellos Vogt von Reichenstein, das aber im Besitz des Adligen Moyko von Baitzen war. Dieser vergab das genannte Landstück an „seinen“ Vogt. Moyko von Baitzen mußte aber 1295 das Gebiet an Herzog Bolko I. von Löwenberg-Jauer abtreten. Reichenstein muß schon vor 1344 das Stadtrecht erhalten haben, da nach einer Urkunde der damalige Besitzer von Stadt und Bergwerk, Ritter Heinrich von Haugwitz, seine Bergstadt an seinen Sohn abtritt. Die später evangelische Kirche wurde 1217 von Bergleuten erbaut. Ihr mächtiger Turm soll damals auch als Wachturm gedient haben. Eine Urkunde vom 30.8.1331 des Breslauer Bischof Nanker ergibt die Nennung des Pfarrers von Reichenstein. Am 20.3.1344 wird Reichenstein in einer Urkunde des Herzog Nikolaus von Münsterberg als „oppidum aurifodiorum“ erwähnt. 1427 und 1465 sprechen Urkunden vom „statichen“ Reichenstein. Es ist anzunehmen, daß Reichenstein einst mit der bedeutenden Feste „Reichenstein“ bei Jauernig in Beziehung gestanden hat. 1356 verkaufte Wenzel, erster Herzog von Brieg, Reichenstein an Herzog Bolko von Schweidnitz. Ins 14.Jh. fällt die Gründung der Schützengilde. Im Jahr 1427 ist Reichenstein im Besitz von Herzog Johann von Münsterberg, der es an den Ritter Franz von Peterswaldau versetzte. Reichenstein hatte auch durch die Hussitenkriege viel zu leiden. Erst von 1465-1502, als Reichensteins Goldgruben dem Kloster Kamenz gehörten, bekam der Bergbau wieder Aufschwung. 1467 hatte die Stadt schon freie Gerichtsbarkeit. 1484 durften die Bergleute einen Bergmeister und vier Geschworene wählen, die vom Herzog bestätigt werden mußten. Die Obergerichtsbarkeit und Blutbann waren 1541 städtisch. Das Kloster Kamenz unter Abt Jakob II. verkaufte Reichenstein 1502 an die Gebrüder Albrecht, Georg und Karl, Herzöge zu Münsterberg, zu Oels und Grafen zu Glatz. 1502 wurde die Frankensteiner Münze nach Reichenstein verlegt. In dem 1520 erbauten Amtsgericht befand sich die Münze. 1529 waren 145 Zechen, Stollen und Gruben gleichzeitig in Betrieb, von denen der „Goldene Esel“ die reichhaltigsten Erze liefert. So wurden allein im Jahr 1547 hier 21.287 Dukaten ausgemünzt. Die bekannten Kaufleute und Bergbauunternehmer Welser, Imhof, Thurzo und vor allem die Fugger waren an dem Reichensteiner Bergbau beteiligt. Der größte Teil der Zechen und Schmelzhütten waren im Besitz der Fugger. Im Jahr 1565 ging der „Goldene Eselsschacht“ nieder, wobei 99 Arbeiter durch Verschütten ihr Leben verloren. Wegen des Niederganges durch Raubbau verkauften die Fugger ihren Anteil 1568 an ihren Faktor Hans Kirchpauer. 1699 wurde der 1675 eingestellte Bergbau von dem ehem. Feldapotheker Johannes von Scharffenberg neu organisiert und eine Arsenikhütte errichtet. 1769 wurde in Reichenstein ein kgl.-preuß.Oberbergamt eingerichtet, das aber 1778 nach Reichenbach verlegt wurde. Reichenstein hatte seit dem eine Bergdeputation, ab 1793 - 1854 Bergamt. Am Vormittag des 27.August 1790, einem Freitag, hatte Reichenstein einen besonderen Besucher, der sich für das Bergbauwesen interessierte. Es war kein geringerer als Johann Wolfgang von Goethe, der den Stollen „Goldener Esel“ besichtigte. 1850 hatte Kommerzienrat Wilhelm Güttler in Reichenstein die dem Staat und der Stadt gehörigen Arsenikabbrände gekauft und begann mit der Entgoldung auf nassem Wege. Für dieses neue Verfahren wurde ihm im Jahr 1851 auf der Londoner Weltausstellung der erste Preis zuerkannt. Seit 1895 wurde in Reichenstein nach dem sogenannten Chlorationsverfahren von Hermann Güttler das größte Arsenvorkommen in Europa gefördert.-

Auf Schloß Reichenstein wurde im 15.Jh. die Prinzessin Eugenie vor einer Entführung bewahrt.
1842 waren die letzten Reste des ehemaligen Ritterschlosses, bestehend aus einem drei Stockwerke hohen, teilweise unbewohnbaren Gebäude, durch den Besitzer abgebrochen worden. Ein ursprünglicher Bau soll bereits 1033 in Trümmern gelegen haben. Der spätere Bau hatte in den Hussiten-Kriegen und dem Dreißigjährigen Krieg Zerstörungen erlitten. Reichenstein hat einen rechteckigen Marktplatz als Mittelpunkt, ist aber sonst wegen des bergigen Geländes eine unregelmäßige Anlage. Durch Brände (1638, 1796, 1836) gingen die meisten alten Bauten verloren. Am Ring stehen noch mehrere alte Patrizierhäuser, darunter am Ring Nr.20 das Renaissancehaus der Fugger. Die Stadtpfarrkirche St.Salvator (urspr.St.Corpus-Christi) war seit 1708 evangelisch. Die Katholiken benutzten seit dem die Dreifaltigkeitskapelle, eine Begräbniskapelle, die bereits 1583 erbaut wurde. An dieser Begräbniskirche bekundete eine Tafel , daß Placidus Hoffmann, der letzte Abt des Klosters Kamenz, welches 1810 durch die Säkularisierung aufgelöst worden war, in Reichenstein starb. Die neue katholische Pfarrkirche Zur unbefleckten Empfängnis Mariens, im gotischen Stil, wurde am 8-Dezember 1877 eingeweiht. Im Jahr 1900 erhielt Reichenstein durch eine Kleinbahn nach Kamenz Anschluß an das Eisenbahnnetz.
1920 wurde die schlesische Forstschule eingerichtet. Sie war außer in Berlin die einzige, die im deutschen Reich die Aufgabe hatte, Forstmänner auszubilden, die z.T. bis heute in der BRD ihr Wissen aus Reichenstein in hiesigen Forstämtern unter Beweis stellen. Im November 1923 wurde eine Arseneisenquelle entdeckt, die nach § I des Quellen-Schutz-Gesetzes vom 14.5.1908 anerkannt wurde. Reichenstein hätte als Kurort Bedeutung erlangen können. Reichenstein hatte viele Betriebe: Arsen-Hüttenwerke, Entgoldung, Sägewerk, Faßfabrik, städt.Kalkwerke, herrschaftl.Kalkwerke, Kistenfabrik, Streichholzfabrik, Bau-und Möbelschreinerei, Buchdruckerei, Pulver-und Bergwerk so wie das elektrische Kraftwerk. Reichenstein besaß ein Krankenhaus, das St.-Joseph-Stift als Kleinkinder-Spielschule, ein Kino, eine Badeanstalt. Reichenstein hatte viele gesellige Vereine und sehr gute Gasthöfe wie z.B. das „Schützenhaus“. Bekannt im Land der vielseitigen Unterhaltungsmöglichkeiten, besonders auch der „Italienischen Nacht“ mit Tanz im Garten. Ein beliebtes Ausflugziel war die Waldschänke „Schlackental“ oder die schon jenseits der Grenze liegende „Gucke“. Alle Wanderwege wiesen Markierungen auf. Ein beliebtes Ziel war der Kreuzberg mit seinem Anna-Kapellchen. Reichenstein war auch von vielen Sagen umwoben.
Tatsache ist, daß Prinzessin Viktoria aus England Trauringe aus Reichensteiner Gold besaß und Kaiserin Augusta ein Medaillon. König Friedrich Wilhelm III. ließ von Meister Hoffauer ein Taufbecken aus 1½ kg Reichensteiner Gold im Werte von 4.100 M herstellen. An dem Becken befinden sich 42 allegorische Figuren aus getriebenen Golde. Zum ersten Male wurde das Becken bei der Taufe des Prinzen Friedrich Wilhelm, des nachmaligen Kaiser Friedrich III., gebraucht. Am 10.April 1851 erhielt Kommerzienrat Güttler von König Friedrich Wilhelm IV. den Auftrag zur Anfertigung einer Taufkanne für die königl.Familie etwa 1½ Kilogramm Gold zu liefern. 1857 wohnte Prinz Friedrich Wilhelm von Preußen und General Moltke einer Schmelzprobe in der Goldhütte zu Reichenstein bei. Aus diesem Golde wurden für den Kronprinzen und seine Braut die Trauringe gefertigt. Prinzessin Auguste Viktoria wurden im Stadtschloß zu Potsdam die Trauringe aus Reichensteiner Gold überreicht!

1946 erreichte auch die Reichensteiner das Schicksal der Vertreibung.