Das Kloster Kamenz

Das Kloster der Zisterzienser in Kamenz kann man wohl mit einigem Recht als eine der Keimzellen für Stadt und Kreis Frankenstein bezeichnen. Verläßt man die Stadt Frankenstein durch das Dorf Zadel in Richtung der Stadt Neisse dann fallen dem Reisenden bald die vier Türme des Hohenzollern-Schlosses von Kamenz über den Bäumen des Parkes ins Auge. Darunter sieht man den Dachreiter der ehemaligen Klosterkirche und die langgezogenen Dächer der dazugehörigen einstigen Klostergebäude. Schauen wir in die Geschichte des Klosters:
1096 Als im Jahre 1096 im Westen das erste christliche Ritterheer des Abendlandes auszog um das Heilige Land den Ungläubigen zu entreißen, unternahm der Böhmenherzog Bretislaw II. zur Eintreibung des schuldigen Tributs wiederum einen Kriegszug gegen die Polen. Dabei hatte er die am Ausgang des gleichnamigen Passes gelegene polnische Grenzfeste „Brido“ (Wartha) zerstört. Jetzt ließ er östlich davon auf einem Felsplateau im Überschwemmungsgebiet des Flusses Neisse, rechts des Pausebaches die Burg „kámen“ (tschechisch= Stein) errichten. Sie sollte den Passübergang und die Straße zwischen Schlesien und Böhmen sichern. Diese neue Burg stand wahrscheinlich an der Stelle, wo heute die ehemalige Klosterkirche steht.
1137 trat Sobeslav von Böhmen im Pfingstfrieden von Glatz die schlesischen Territorien an den poln.Herzog Boleslaus III. ab. Boleslaus III. war ein Urenkel der deutschen Fürstentochter Königin Richeza, der Nichte von Kaiser Otto III., die mit dem polnischen König Mieczyslaw verheiratet war. Boleslaw III. ließ die Burg Wartha wieder erbauen und errichtete dort eine Kastellanei. Die Burg Kamenu (Kamenz) hatte öfter ihre Herren gewechselt. Nachdem die Kämpfe zwischen Böhmen und Polen aufgehört hatten, geriet sie in Verfall.
1210 Kamenz und das Land rundum befand sich zu Beginn des 13.Jh. im Besitz der alteingesessenen schlesischen Adelsfamilie der Pogarell. Diese errichteten hier 1210 im Zusammenwirken mit Bischof Lorenz von Breslau, der sich mit Zehntschenkungen beteiligte und möglicherweise selbst ein Pogarell war, eine Augustinerpropstei. Ihre Leitung übernahm der bis dahin dem Breslauer Sandstift angehörende Augustiner-Chorherr Vinzenz v.Pogarell. Neues Leben kam in den Ort mit den Ruinen der ehemaligen Grenzfeste welcher ihnen als Wohnsitz zugewiesen wurde. Vom Bischof wurde ihnen auch der Zehnte des Dorfes Priluc zugewiesen, der bisher an die Kapelle von Bardo/Wartha zu entrichten war. Neben dem Ort Priluc gründeten deutsche Siedler ihr Dorf und nannten es nach ihrem Stamm Frankenberg.
1216 wird erstmals eine Marienkirche in Kamenz urkundlich erwähnt. Es erfolgte eine Erweiterung der Gründungsgüter durch die Besitzungen Grunau, Rogau, Grochwitz und Panthenau.
1230 erhält das Kloster Kamenz das Patronat über die Kirche zu Frankenberg. Die Familienstiftung Kamenz fand bald auch andere Gönner und erhielt 1230 vom Herzog ein großzügiges Siedelprivileg und eine Schenkung von einem Stück Grenzwald, der Preseka, in einer Ausdehnung von 150 Hufen, etwa 15.000 Morgen, zur Rodung durch deutsche Siedler. Es entstanden in der Folge deutsche Dörfer wie Dörndorf, Follmersdorf, Heinrichswalde, Hemmersdorf, Maifritzdorf.
1241 Nach der Schlacht auf der Wahlstatt bei Liegnitz erfolgte entlang der Preseka der das Land verheerenden Rückzug der Mongolen. Das Kloster Kamenz scheint davon nicht berührt worden zu sein.
1243 wurde Vinzenz v. Pogarell als Abt in das Sandstift in Breslau gewählt. Nachdem er Kamenz verließ, blieben nur 3-4 Mönche zurück, deren Klosterdisziplin bald verwilderte. Nachdem die Mönche die von Bischof Thomas I. geforderte Reformierung nicht durchführten, übergab Bischof Thomas die Propstei Kamenz den Zisterziensern von Kloster Leubus zur Besiedlung.
1246 Am 7.Januar 1246 erfolgte die Übergabe der Propstei an Abt Heinr.I. von Leubus. Der Zisterzienser-Konvent zog unter Abt Ludwig I. in Kamenz ein. Abt Vinzenz vom Sandstift Breslau ließ die Zisterzienser aber wieder vertreiben.
1248 Am 15.Oktober 1248 wurden durch den Legaten des Papstes, Jakob von Lüttich, die Leubuser Zisterzienser wieder eingesetzt und für das Sandstift ein finanzieller Ausgleich geschaffen.
1251 Am 15.Juli 1251 bestätigte Papst Innozenz IV. den Besitz der Zistersiensermönche. Die Zisterzienser entwickelten im Bereich der oberen Neisse eine rege Wirtschafts-und Siedeltätigkeit. Das Kloster berief im Laufe der Zeit immer mehr deutsche Siedler, Bauern und Handwerker, auch in die kleinen slawischen Siedlungen, die nun an Ausdehnung und Wohlstand gewannen. So kam es zu einer ständigen Erweiterung des Klosterbesitzes z.B. von Dörfern wie Pilz, Johnsbach, Riegersdorf, Paulwitz, Schönheide u.a.mehr. Durch die deutschen Siedler mehrte sich der Wohlstand des Klosters. Unter seinen Augen, in seiner Nachbarschaft, auf dem Gebiet der Dörfer Protzan und Zadel gründete Herzog Heinrich IV. die Stadt Frankenstein. Dabei wurden der Stadt Frankenberg die dem Kloster gehörte, die Stadtrechte entzogen. Am Bau der Stadt Frankenstein dürften auch die Bewohner der umliegenden Kloster-Dörfer beteiligt gewesen sein. Ab jetzt waren die Geschicke des Klosters stark mit denen der Stadt Frankenstein verbunden.
1287 Mit Urkunde vom 10.1.1287 kaufte das Kloster Kamenz von Heinrich, dem ersten Vogt von Frankenstein, drei Fleischbänke in der civitas Frankenstein.
1290 ging die Herrschaft über Kamenz an das Fürstentum Schweidnitz-Jauer. Um 1300 erwarb das Kloster das Dorf Wolmsdorf. zu der Zeit etwa wurde der Bau der gotischen Klosteranlage begonnen. ging die weltliche Herrschaft an das Fürstentum Münsterberg. überfiel der verschwenderische, daher verschuldete Herzog Bolko II. v.Münsterberg das Kloster räuberisch. Der Abt Theoderich wandte sich um Hilfe an Bischof Nanker von Breslau. kam es zum Sühnevertrag vom 13.7.1334. Als Sühne für den Überfall und die Plünderungen erhielt das Kloster u.a. die weltliche Gerichtsbarkeit über das Stiftsland.
1336 huldigte der Herzog von Münsterberg dem König Johann von Böhmen aus dem Haus Luxemburg.
1339 Am 9.Februar 1339 wurde der am 24.August 1335 unterzeichnete Vertrag von Trentschin ratifiziert in dem Kasimir III. von Polen auf jegliche polnische Ansprüche auf Schlesien verzichtete.
1341 überflutete ein verheerendes Hochwasser das Kloster und zerstört das Dorf Pilz. Abt Sighard hatte bereits zuvor den Herzog um Erlaß oder Ermäßigung der dem Herzog zu leistenden Abgaben verschiedener Dörfer bitten müssen. Der Abt sah sich 1341 genötigt die Scholtisei Dörndorf an Heinrich von Protzan zu verkaufen.
1350 Um 1350 wird der Bau der Klosterkirche vollendet. Kirche und Kloster wurden festungsartig mit Mauern und Türmen umgeben. Angehörige der Stifterfamilie und andere Wohltäter wählten das Kloster als Grablege.
1351 geht das Stiftsland mit dem Weichbild Frankenstein an die böhmische Krone, an König Karl IV. von Luxemburg. Am 9.Oktober 1355 mit der Krönung Karls IV. zum Deutschen Kaiser erfolgte die offizielle Aufnahme der schlesischen Teilherzogtümer in den deutschen Staatsverband.
1359 und 1405 leidet das Kloster wieder unter schwerem Hochwasser der Neisse.
1425 Im Dezember 1425 wird das Kloster Kamenz, da die Hussitenkriege auf Schlesien übergegriffen haben, von den Hussiten überfallen und verwüstet. Mehrere Konventualen werden erschlagen oder verbrannt. Am 18. Mai 1426 wird das Kloster bei einem neuen Überfall in Brand gesteckt. Am 20.Mai 1428 wird die Abtei wieder durch die Hussiten zerstört und fünf Mönche ermordet. Der auf 14 Ordensleute dezimierte Konvent flieht ins Exil. Etwa sieben Jahre stand das Kloster verlassen. Erst 1434 kehrte der Konvent zurück und begann mit dem Wiederaufbau.
1451 fällt das Stiftsland an die Fürsten Podiebrad von Münsterberg und 1464 gibt es wieder eine Hochwasserkatastrophe, das Wasser der Neisse steht bis an die Fensterbänke der Klosterkirche. Jetzt wird auch das Stiftsland in die kämpferischen Auseinandersetzungen zwischen dem exkommunizierten Böhmen-König Georg Podiebrad und dem ungarischen König Matthias Corvinus gerissen. Das Stift wurde erobert und wieder verloren, der Konvent vertrieben, die Klosteranlage schwer in Mitleidenschaft gezogen.
1473 Ab 1473 begann der Wiederaufbau der Abtei. Aber wieder gab es Hochwasserfluten 1496 und 1501 die das Kloster schwer schädigten. erhielt Abt Simon I. das Pontifikalrecht.
1520 Um 1520, unter dem Abt Simon I., wird die Neisse ab Grunau in ein neues südwestlich gelegenes Bett verlegt. Am 21.November 1524 zerstört eine Brandkatastrophe das Kloster fast völlig.
1526 fällt mit dem Übergang der böhmischen Krone an das Haus Habsburg auch die Schutzherrschaft über das Kloster an Österreich. Mit dem Einzug der Reformation verlor das Kloster neben dem Zehnten verschiedener protestantisch gewordener Dörfer auch zunehmend Mönche aus dem Konvent an die neue Lehre.
1557 wurde Abt Simon II. gewählt. Unter ihm wird der Wiederaufbau des Klosters fertig gestellt.
1572 hat sich die Anzahl der Konventualen durch die Reformation auf vier Mönche reduziert. Am 24.August 1598 überflutet wieder ein schweres Neisse-Hochwasser das Kloster. In Wartha kommt es zum Bergsturz. 1606 Am 21.November 1606 vereinigte Abt Johannes seine Untertanen in einer großen Kundgebung für den katholischen Glauben. Er brachte an diesem Tag mit zahlreichem Volk das Gnadenbild von Wartha, das seit 1577 in Kamenz aufbewahrt wurde, nach Wartha zurück. Bei der Klostervisitation 1616 sind 11 Konventualen anwesend.
1618 Während des 1618 ausgebrochenen 30-jährigen Krieges teilte das Kloster die Schrecken mit welchen der ganze Kreis Frankenstein überzogen wurde. Zu Teuerung, Hungersnot und den Verwüstungen durch die Soldateska kommt 1633 auch noch die Pest. Im Stiftsland sind sehr viele Tote zu beklagen. Der Konvent flieht ins Exil.
1641 nach dem Tod des Abtes Christoph Hochgesang 1641 wird der Mönch Simon III. Rüdiger von Leubus neuer Abt, denn die vier verbliebenen Konventualen von Kamenz hatten eine Abtwahl unter sich verweigert. Abt Simon III. stellte zur Verteidigung des Stiftslandes gegen die marodierende Soldateska eine eigene Feldtruppe auf.
1648 Bei Abschluß des Westfälischen Friedens 1648 ist das Stiftsland verwüstet und ausgeblutet, der Viehbestand auf ein Zehntel geschrumpft. Nur ein Drittel der Bevölkerung hat die Kriegswirren überlebt.
1661 beginnt unter Abt Kaspar Kales der Wiederaufstieg des Klosters.
1665 beginnt die Instandsetzung der Klosterkirche.
1675 erfolgen Umbau und Erweiterung der Klostergebäude. In der Folge entstehen ein neues Brauhaus, eine Backstube, das Pfortengebäude mit der steinernen Brücke über den Mühlgraben, ein weiteres Vorwerk und der Dorfkretscham. beginnt mit der Wahl des tatkräftigen Abtes Augustin Neudeck die barocke Blütezeit des Klosters mit einer regen Bautätigkeit. 1682 begann der Bau des Prälaturflügels unter Leitung des Baumeisters Matthias Kirchberger aus Oberbayern.
1686 begann der Abt mit dem Bau der Kirche in Wartha.
1702 beginnt die Amtszeit des Abtes Gerhard Woywoda. Er führt die Bautätigkeit fort, es entstanden mehrere neue Pfarrkirchen so z.B. in Maifritzdorf, Follmersdorf und Gierichswalde. Die Klosterkirche Kamenz wird mit kunstvollen Altären geschmückt.
1705 wird in der Klosterkirche der barocke Hochaltar des Bildhauers Koeniger mit dem wundervollen Meisterwerk des Malers Michael Willmann, der „Mariä Himmelfahrt“ aufgestellt.
1732 fand der Abt Gerhard Woywoda im Angesicht des Hochaltars seine letzte Ruhestätte. Der Konvent bestand jetzt mittlerweile wieder aus 58 Mitgliedern.
1741 Am 27.2.1741 kommt es unter dem Nachfolgeabt Amandus Fritsch während des 1.schlesischen Krieges zum Gefecht bei Baumgarten in dessen Folge sich der Preussenkönig Friedrich II. in das Kloster geflüchtet hat. Er wurde durch den Abt vor Gefangennahme durch verfolgende Österreicher gerettet indem der Abt mit dem in Chorkleidung gehüllten König zum Chorgebet in die Kirche rief. Friedrich der Große besuchte das Kloster mehrmals während der schlesischen Kriege.
1742 wird der bisherige Pfarrer von Reichenau P.Tobias Stusche zum Abt gewählt. Mit ihm befreundet sich Friedrich II. als er im Mai 1745 sein Hauptquartier im Kloster hatte. Abt Tobias Stusche wird 1747 Nachfolger des Abtes Konstantin von Leubus, den Friedr.II. abgesetzt hatte. Das durch seine rege Bautätigkeit verschuldete Kloster wird nach Ende des Siebenjährigen Krieges durch verschiedene Reformen, besonders den Kirchenbesitz betreffend, zusätzlich finanziell stark belastet.
1757 Am 9.April 1757 starb Abt Tobias Stusche und wurde in der Kreuzkapelle hinter dem Hochaltar der Klosterkirche beigesetzt. Trotz der schlechten wirtschaftlichen Lage während des 7-jährigen Krieges hatte der Abt Abundus Neumann den Mut, ein Gymnasium einzurichten. Die Schulden des Klosters ganz zu tilgen, war ihm nicht gelungen. So erwartete den Nachfolger Abt Raphael Rösler eine schwere Bürde.
1778 dringt im Bayerischen Erbfolgekrieg eine österreichische Patrouille nach Kamenz vor und entführt den amtierenden Abt Raphael Rösler als Staatsgeisel nach Györ/Raab und Zirc. Erst im Frühjahr 1779 kehrt der Abt in das Kloster zurück. wird das Kloster wieder von einem Hochwasser überflutet. Der Abt erlebte noch das Unglück, welches die „Franzosenzeit“ ab 1806 über das Land brachte. Er starb am 10.März 1808 und wurde in der Geburtskapelle, der heutigen Sakristei, beigesetzt. Als der Konvent bei der Regierung in Breslau die Genehmigung zur Wahl eines neuen Abtes einholte, wurde verfügt, daß das Kloster vorläufig von einer Kommission verwaltet werden sollte. Das war nur ein Vorbote größeren Unheils. Wider Erwarten durfte dann doch eine Abtwahl vorgenommen werden.
1810 Am 24.Januar 1810 erfolgte die feierliche Einführung von Abt Placidus Hoffmann. Mit der Wahl des 53.Abtes von Kamenz, Placidus Hoffmann, endete die Zeit des Zisterzienserordens in Kamenz. Am 30.Oktober 1810 erfolgt durch König Friedrich Wilhelm III. der Erlaß des Säkularisationsedikts und am 22. November die Aufhebung des Stiftes, welches damals 31 Ortschaften besaß. Die 38 Konventualen verlassen unter Führung des Abtes Placidus Hoffmann das Kloster.

Eine 600-jährige segensreiche Tätigkeit findet ihr Ende.